Schwitzen ist für unseren Körper überlebenswichtig: Leichter Schweiß bei Hitze oder Sport hat die Aufgabe, die Temperatur unseres Körpers zu regulieren und ihn so vor Überhitzung zu schützen.
Schwitzen ist also nicht nur völlig normal, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesundheit. Dennoch leiden viele Menschen unter einer gesteigerten Schweißproduktion, die nicht auf einen konkreten Auslöser zurückzuführen ist. Diese Form des Schwitzens wird auch Hyperhidrose genannt und ist eine eigenständige Erkrankung, die nichts mit mangelnder Hygiene zu tun hat. Betroffene sind dabei oft einem hohen Leidensdruck ausgesetzt, da sie sich im Beruf und in sozialen Situationen stark eingeschränkt fühlen. Allerdings gibt es einige wirksame Behandlungsmöglichkeiten, die Betroffenen helfen können, ihre Lebensqualität wieder deutlich zu verbessern.
Warum unser Körper schwitzt
Auch wenn Schwitzen vielen Menschen unangenehm ist, handelt es sich dabei um eine ganz natürliche und wichtige Funktion unseres Körpers. Die Schweißdrüsen befinden sich direkt unter der Haut und werden bei Hitze, erhöhter Anstrengung, Stress oder Angst aktiv. Ohne diesen Mechanismus könnte der Körper seine Temperatur nicht konstant bei 37 Grad halten, was eine Überhitzung zur Folge hätte. Bei Stress reagiert der Körper ähnlich: Die Ausschüttung von Adrenalin versetzt ihn in Alarmbereitschaft und fördert die Durchblutung. Das sorgt für einen Anstieg der Körpertemperatur, wodurch wiederum die Schweißdrüsen aktiv werden.
Darüber hinaus erfüllt Schweiß einige weitere Aufgaben: Neben der Leber tragen auch die Schweißdrüsen zur Ausscheidung von Stoffwechselprodukten und Giftstoffen bei. Dank seines sauren pH-Wertes bildet der Schweiß außerdem den Säureschutzmantel der Haut. Dieser schützt nicht nur vor dem Austrocknen, sondern hemmt auch das Wachstum von Mikroorganismen und fungiert wie eine chemische Schutzbarriere.
Krankhaftes Schwitzen erkennen
Da die Schweißabgabe von Mensch zu Mensch sehr individuell ist, sind die Übergänge zwischen normalem und krankhaftem Schwitzen meist fließend. Wenn es ohne erkennbaren Grund – wie physischer Anstrengung oder hoher Temperatur – zu übermäßigem Schwitzen kommt, kann dies auf eine sogenannte Hyperhidrose hindeuten.
Typische Anzeichen für krankhaftes Schwitzen sind außerdem starker Nachtschweiß und ein lokal begrenztes Schwitzen, das immer wieder in bestimmten Körperregionen auftritt und dort auch deutlich sichtbare Schweißflecken hinterlässt. Um die Behandlung anpassen zu können, wird in der Medizin zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose unterschieden.
Primäre Hyperhidrose
Eine primäre Hyperhidrose liegt vor, wenn keine genaue Ursache für das Schwitzen festgestellt werden kann. Sie zeigt sich häufig schon im Kindes- oder Jugendalter und betrifft entweder einzelne Körperregionen oder den gesamten Körper. Besonders häufig betroffen sind Kopf, Achseln, Hände und Füße. Es wird angenommen, dass eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt, die genauen Ursachen konnten jedoch noch nicht geklärt werden.
Sekundäre Hyperhidrose
Wenn die erhöhte Schweißproduktion auf eine Grunderkrankung zurückgeführt werden kann, handelt es sich um eine sekundäre Hyperhidrose. Häufige Ursachen sind zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes mellitus, Parkinson oder Infektionskrankheiten wie Malaria und Grippe. Auch bestimmte Krebserkrankungen können mit starkem Schwitzen einhergehen. Zudem können Medikamente wie Antidepressiva als Nebenwirkung ebenso zu einer gesteigerten Schweißproduktion führen.
Tritt starkes Schwitzen gemeinsam mit Symptomen wie Schwindel, Ohnmacht, Zittern, Unruhe oder Benommenheit auf, sollte unbedingt ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Um exzessives Schwitzen behandeln zu können, muss in erster Linie die Krankengeschichte der betroffenen Person analysiert werden, um mögliche Ursachen ausfindig zu machen. Ergänzend können Blutuntersuchungen, bildgebende Verfahren oder auch ein EKG eingesetzt werden, um etwaige Grunderkrankungen auszuschließen.
Sind andere Ursachen ausgeschlossen, richtet sich die Therapie nach dem Ausmaß der Beschwerden und den betroffenen Körperregionen. Neben der Anwendung von Antitranspiraten können minimal-invasive Behandlungen durch Botox-Injektion oder operative Verfahren wie eine dauerhafte Entfernung der Schweißdrüsen Abhilfe verschaffen.
Hyperhidrose-Behandlung mit Botox
Eine Behandlung mit Botulinumtoxin hat sich besonders im Bereich der Achseln bewährt, kann aber auch in anderen Körperregionen wie Händen und Füßen eingesetzt werden. Der Wirkstoff wird dabei mit einer feinen Kanüle in die betroffenen Hautareale injiziert. Das führt zu einer Hemmung der Signalübertragung zwischen den Nervenfasern und den Schweißdrüsen, sodass die Schweißbildung deutlich reduziert wird.
Der Effekt setzt innerhalb von ca. 7 bis 10 Tagen ein und hält in der Regel mehrere Monate an. Um das Ergebnis dauerhaft aufrechtzuerhalten, sind meist ein bis zwei Behandlungen pro Jahr notwendig.
Schweißdrüsenentfernung
Für eine dauerhafte Hemmung der Schweißproduktion empfiehlt sich eine Entfernung der Schweißdrüsen. Dabei handelt es sich um ein operatives Verfahren, das jedoch nur im Achselbereich möglich ist.
Unter lokaler Betäubung werden die Schweißdrüsen mit feinen Absaugkanülen vorsichtig abgetragen. Dank der Verwendung besonders dünner Kanülen bleiben in der Regel kaum sichtbare Narben zurück. Der Eingriff selbst erfolgt besonders schonend, führt aber zu einer dauerhaften Verringerung der Schweißbildung.
Fazit
Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt stark von den individuellen Beschwerden und dem persönlichen Empfinden der Betroffenen ab. Übermäßiges Schwitzen kann den Alltag und das gesellschaftliche Leben erheblich einschränken und führt nicht selten zu Scham oder zusätzlichen Stress. Durch eine gezielte Hyperhidrose-Therapie können Betroffene wieder selbstbewusst auftreten und unbeschwert am sozialen Leben teilnehmen.
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